Montag, 7. April 2014

Über Geburtstage

Vor etwa zwei Monaten ist mein Blog zwei Jahre alt geworden. Während ich das erste Jahr nur leicht verspätet, dafür aber mit einem langen Eintrag und vielen Fotos feierte, halte ich das inzwischen für unnötig, da ich Jubiläen und Geburtstage nun als sinnlos betrachte. Über den Blog sage ich nur wenig und es ist etwas, was den Meisten ohnehin aufgefallen sein dürfte:
Während ich Anfangs sehr viel Show um meine Person machte, schaltete ich irgendwann auf das um, was mir gefällt (Sport), dann auf das, was mich beschäftigt und fasziniert (Ideen). Inzwischen schreibe ich nicht mehr so viel, dafür versuche ich aber den Inhalt anspruchsvoller zu gestalten.

Heute möchte ich von der Sinnlosigkeit von Geburtstagsfeiern schreiben.
Man wird jede Sekunde älter und nicht nur an einem bestimmten Tag im Jahr. Das Alter wird anhand eines vom Menschen geschaffenen Zeitmodells bestimmt. Auf einem anderen Planeten könnte ich nicht 26, sondern 55 Jahre alt sein. Ganz davon abgesehen, halte ich mich in der Entwicklung leicht verzögert insofern, dass ich bestimmte Phasen des Lebens erst jetzt durchmache, während Andere sie mit 17 beginnen. Dazu muss man aber auch sagen, dass sehr viele Menschen heutzutage diese Phasen gar nicht haben und in ihrer Entwicklung stehen bleiben, aber das ist ein Thema für die Zukunft.
Wie dem auch sei, man altert jeden Tag, somit sehe ich keinen Grund darin den Geburtstag zu feiern. Man sollte jeden Tag feiern, das habe ich schon in Bezug auf das Neujahrsfest geschrieben und das ist beim Geburtstag nicht anders. Der einzige Grund, warum Geburtstage noch "in" sind, aus meiner Sicht, die Geschenke, die man bekommt. Dies halte ich ebenfalls für überflüssig, denn solange Geschenke nicht einen Teil der Seele des Schenkers enthalten, z.B. ein Bild von einem Maler, oder ein Gedicht von einem Dichter, sind sie nichts Wert. Gebrauchsgegenstände kann sich ein jeder selbst besorgen. Diese und Schmuck sind lediglich Entschuldigungen für die Einfallslosigkeit des Schenkers (um indirekt Ralph Waldo Emerson zu zitieren). Außerdem sind die meisten Geschenke nur Lasten für den Beschenkten und eine Art Verpflichtung etwas zurück zu schenken. Davon spricht natürlich keiner und oft wird es dementiert, doch fühlen tut das ein jeder von uns. Das ist pervers, denn dabei geht die ganze Liebe und Fürsorge verloren. Zum Beispiel möchte ich meinen Eltern nichts schenken, wenn mir nichts originelles einfällt, dafür möchte ich aber auch nichts von ihnen geschenkt bekommen, selbst wenn sie die beste Idee haben, zumindest nicht an einem bestimmten Tag und aus Verpflichtung. Sie können mir etwas schenken, wenn sie merken, dass ich es brauche und das gilt auch für meine Geschenke an sie, aber das muss vom Herzen kommen und darf nie verpflichten.
Aus diesem Grund möchte ich meine Geburtstage nicht mehr feiern. Das hat nichts pessimistisches an sich. Ich habe kein Problem damit älter zu werden, denn es gibt nichts Natürlicheres als das. Tatsächlich freue ich mich auf das Alt-werden, denn da ich mich dazu entschlossen habe mich das ganze Leben lang zu entwickeln, und sei es auf Kosten der sozialen Integration, kann ich mir denken, dass ich in zehn Jahren viel mehr weiß, geduldiger bin und einige meiner inneren Dämonen besiegt habe. Wenn ich als alter Mann auf dem Sterbebett liege, möchte ich weise sein, auf ein erfülltes Leben zurückblicken und im Frieden aus dieser Welt scheiden, was ebenfalls absolut natürlich und notwendig ist (denn der Tod ist allen Dingen eigen). Ich möchte nicht senil und sabbernd im Altersheim enden, während ich, aufgrund von diversen Komplexen, nach meiner Mutter und der Aufmerksamkeit der mich umgebenden Menschen schreie. Sterben, ja, aber mit Würde. Und ich habe keine Angst davor. Ist diese Angst vor dem Tod erstmal weg, fühlt man sich frei und erleichtert. Man entwickelt viel mehr Kraft dazu das Beste aus jedem Tag zu machen und hört nicht auf die Miesmacher, die einem darüber berichten wie die Zeit davon läuft. Soll sie doch laufen, diese größte Illusion, die der Mensch schuf - ich laufe ihr jedenfalls nicht hinterher.

Freitag, 28. März 2014

Garbage-Warrior, part 2

Gestern war ich wieder Müll einsammeln. Am Tag zuvor hatte ich eine Stunde an der frischen Luft verbracht und spazierte in der Nähe meines Hauses. Hier, am Rande Göttingens, gibt es eine kleine Stelle mit Bäumen, Sträuchern, Wiesen, Mooren und Hügeln. Groß genug, um sie einige Stunden zu erkunden. Hier verbringe ich sehr gerne meine Zeit. Und gestern ist mir aufgefallen, dass auch dort sehr viel Abfall herum liegt. Dabei handelte es sich um Müll, der schon lange da liegt und den man trotzdem nicht weg räumt. Also merkte ich mir vor mich in Zukunft darum zu kümmern und tat das am folgenden Tag ganz spontan, weil ich vor der Arbeit die Zeit dazu hatte und unbedingt wieder das schöne Wetter genießen wollte.
Zufällig hatte ich beim Müll sammeln Brian Tracy's "The Luck Factor" gehört und da gibt es eine Stelle, wo er über eine der Zentralen Aufgaben eines erfolgreichen Arbeiters spricht: "Sei ein Teil der Lösung, nicht ein Teil des Problems." Diesen Satz wiederholte ich beim Sammeln immer und immer wieder und das tat gut sich als Teil der Lösung zu fühlen. Müll weg räumen ist ein Teil der Lösung. Es ist nicht immer angenehm und leicht, aber man weiß, dass man etwas Richtiges tut und währenddessen auch noch an der frischen Luft ist.
Ich war regelrecht schockiert, wie viel Müll ich an dieser kleinen Stelle fand. Beim ersten Sammeln hatte ich erst einen Sack voll, als ich nach einigen Kilometern am Waldrand ankam. Hier war der Sack schon nach einer Stunde voll und dabei sammelte ich nur in einem Umkreis von ca. 50 m². Ich habe gerade mal ein Fünftel der Gegend abgesucht und füllte dabei fünf (!) gelbe Säcke mit Kunststoffen, Alufolien, alten Sprühdosen, Flaschen, zerrissener Kleidung und ganz viel rostigem Metall. An einer Stelle, direkt an einem großen und alten Baum, lag besonders viel herum. Scheinbar hatte jemand vor einigen Jahren keine Lust zur nächsten Müllhalde zu fahren und entsorgte das ganze im Wald: Alte Steckdosen und Schalter, Betonklötze mit herausragenden metallenen Verbindungen, an den sich Tiere verletzen könnten, Drähte, die ich wie Wurzel aus dem Boden reißen musste und natürlich sehr viel Folie. Ein Großteil des Abfalls wurde sogar vergraben. Es reichte also nicht das Ganze liegen zu lassen, sodass jeder es sehen und wegräumen könnte, nein, man machte das ganz hinterhältig und für die Umwelt umso belastender. Deswegen musste ich, obwohl ich bereits fünf Säcke füllte, Vieles bis zum nächsten Mal liegen lassen. Da muss man mit einer Schaufel arbeiten. Ich könnte echt Hilfe gebrauchen, da ich keine Schaufel habe und man zu zweit sehr viel mehr in weniger Zeit schaffen könnte. Einige Leute haben mir ihre Hilfe bereits angeboten und dafür danke ich ihnen sehr! Ich melde mich bei ihnen wenn ich das nächste Mal in die Schlacht ziehe.



Die schlimmste Stelle: Das, was man sieht, ist nur die Spitze des Eisberges. Sehr vieles ist unter der Erde.

Und auf zum nächsten Müllcontainer.
Diese Hummel posierte bis zum letzten Foto. Als dieses geschossen wurde, flog sie davon. :)

Dienstag, 11. März 2014

Garbage-Warrior

Vor etwa einem Jahr hatte ich bei meinem "es-ist-Frühling-ich-spaziere-vier-Stunden-lang"-Spaziergang leider zu oft beobachtet, wie der Mensch die Natur durch seinen Müll verunstaltet. Hier und da lagen bunte Verpackungen von bekannten Schokolade-Marken,  Plastikflaschen, sowie Alufolie und Sonstiges. Da kam mir spontan die Idee bei meinem nächsten langen Spaziergang gleichzeitig diesen Müll einzusammeln. Warum auch nicht? Wenn ich schon spaziere, dann kann ich gleich zwei angenehme und sinnvolle Dinge miteinander verbinden. Leider kam ich danach nicht mehr dazu im selben Jahr so eine lange Wanderung zu unternehmen, zumindest nicht ohne Ziel. Aber ich behielt den Gedanken im Kopf und bereitete mich auf die nächste Gelegenheit vor, indem ich, nach und nach, das nötige Zubehör für den Hobby-Müllmann kaufte: Eine zusammenfaltbare Laubtonne (Lidl, 5,99€), Handschuhe für die Gartenarbeit (Lidl, zwei Paar, etwa 4€), eine Müllzange (T€DI, 2€) und Gelbe Säcke, die kostenlos ab und an bei jedem Haus abgestellt werden.

Heute machte ich meinen ersten Spaziergang dieser Art. Ich beschloss den Müll eher dort einzusammeln, wo die dafür verantwortlichen Stadtarbeiter normalerweise nicht hin gehen, also da, wo er bereits über eine längere Zeit liegt. Außerdem konzentrierte ich mich besonders auf Bereiche mit Flüssen, denn wo Wasser fließt, wird Müll und dessen Partikel über große Entfernungen getragen. Ich sammelte überwiegend Kunststoffe und Alufolien ein, weil diese die Umwelt am meisten belasten. Glasflaschen sollten ebenfalls entfernt werden, weil Tiere sich daran schneiden könnten. Papier und Karton ließ ich liegen, weil sie biologisch abbaubar sind (außer Tetrapacks, weil diese mit Plastik beschichtet werden).
Ich wählte meine Lieblingsroute und da ich am Rande von Göttingen lebe, führte sie mich in einen Wald. Nach zwei Stunden hatte einen ganzen gelben Sack voll mit Haribo-, Mars- und Chips-Verpackungen, sowie Plastikflaschen, Bierdosen, Deckel von Softdrink-Bechern und sonstigem Restmüll. Je weiter ich in den Wald vordrang, desto weniger Müll begegnete mir. Einerseits freute ich mich, dass der Mensch nicht überall sein Unheil anrichten konnte, andererseits fand ich es traurig, dass so viel Müll gerade dort lag, wo er lang ging. Als könnte der Mensch es nicht lassen ein Arschloch zu sein.
An einer Stelle im Wald wurde ich besonders enttäuscht: Der Ort sah aus wie ein verlassenes Viehgehege und dort lag so viel Kunststoff, dass ich es zuerst gar nicht registrierte, weil es nicht real schien. Überall lagen große und kleine Fetzen von weißer, schwarzer und transparenter Folie, sowie alte Tierfutterverpackungen und kaputte Karosserieteile. Ich begann damit diese in meinen Sack zu stopfen, bis ich feststellte, dass ich mehr als einen dafür bräuchte. Ich füllte noch zwei Säcke und es blieb immer noch genug Müll für mindestens vier-fünf Weitere.

Von mir gesammelter Müll
Plastik
Es hätte so ein schöner Anblick sein können
Überreste menschlichen Elends
Rostige Stacheldraht-Rollen

Deshalb beschloss ich beim nächsten Mal direkt diesen Ort anzupeilen, versteckte einen Sack in einer halb vermoderten Scheune (Hauptsache überdacht) und nahm die anderen Säcke mit auf den Rückweg, was schon schwer genug war. Im nahe gelegenem Elliehausen, einem großen Neubaugebiet, das zu Göttingen gehört, verstaute ich die Säcke in willkürlich gewählten, grauen und gelben Müllcontainern und machte mich auf nach Hause.


Mögliche provokante Fragen und Einwände zu der Aktion (warum auch immer):


Bist du jetzt so ein komischer Naturfreund-Hippie geworden?

- Jemand, der sich mit der Natur identifizieren kann, ist automatisch ein Naturfreund, denn es ist unklug sich selbst Schaden zuzuführen. Dafür muss man sich nicht zu einer Untergruppe, wie "Hippies" zählen, da man ohnehin bereits zu der Gruppe Mensch/Tier zählt und eine Aufgabe auf dieser Welt hat.


Warum zeigst du uns das alles? Möchtest du, dass wir dich für ganz toll und umweltbewusst halten?

- So eine Art von Bestätigung habe ich nicht nötig. Ich mache das nicht, um mehr Leser und "Likes" zu gewinnen, sondern weil ich Lust darauf habe. Der erste Gedanke kam aus dem Herzen, man nennt es auch Inspiration. Danach dachte ich daran die Ergebnisse einer solchen Aktion im Internet zu veröffentlichen, weil ich schon immer mein Leben zur Schau stellen musste. Das ist ein Teil von mir und dies wird sich nicht so bald ändern.
Meine wichtigste Motivation für diese Präsentation ist die Möglichkeit jemanden wiederum dazu zu inspirieren das selbe zu tun und vielleicht sogar eine Bewegung zu starten. Das wäre toll.


Irgendwo wird tonnenweise Plastik in die Meere gekippt und du freust dich über drei gelbe Säcke?

- Wenn ich alleine in 2,5 Stunden drei Säcke voll bekam, wie viel Müll würde dann jeder von uns beseitigen? Zum Erfolg gelangt man einen Schritt nach dem Anderen und irgendwann sind nicht nur die Wälder, sondern auch die Meere wieder sauber.


Das machst du doch nur, um dein eigenes egoistisches Gewissen zu beruhigen.

- Mag sein. Ich kann nicht genau sagen, was mich dazu bewegte. Wir können so gut wie nie in unser Unterbewusstsein hinein blicken. Wahrscheinlich wollte ich nur meinen Beitrag für die Natur leisten. Seit ich mich erinnern kann, wurde ich immer dazu erzogen meinen Müll in Mülleimer zu werfen. Schon als kleines Kind habe ich mich immer über die Leute aufgeregt, die ihren Müll dort entsorgten, wo sie wollten. Meine Mutter war schon immer sehr Umweltbewusst und das hat sich auf mich übertragen. Dafür danke ich ihr. :)
Doch welcher Grund auch immer hinter der ganzen Aktion stehen mag, eins bleibt sicher: Der Müll ist entsorgt und diese "Kleinigkeit" zählt auch.

Dienstag, 4. März 2014

Masken

Zufällig passend zum Fasching möchte ich, wie bereits seit langem geplant, über Masken schreiben.
Wir alle tragen Masken, die unseren Mitmenschen ein bestimmtes Bild von uns präsentieren sollen, aber nie unsere wahre Natur verraten. Warum machen wir das? Warum hat man es nötig sich für jemanden auszugeben, der man nicht ist? Warum traut man sich nicht sein selbst zu sein? Wir alle sind "Götter" und jeder von uns ist wunderschön, doch wir haben eine Kultur entwickelt, die irre geleitet ist und die Wahrheit verschleiert. In dieser Kultur leidet fast jeder unter Minderwertigkeitskomplexen und fühlt sich gezwungen eine Maske aufzusetzen.
Neulich habe ich in "Man's Search for Himself" gelesen, dass die besonders stolzen Machos und "starken Kerle" am wenigsten Selbstbewusstsein besitzen und die Maske der Kraft, die eines bewussten und starken Individuums, aufsetzen, um ihre Schwäche vor den Anderen zu verbergen. In Wahrheit können sie sich aber persönlich nicht wirklich damit identifizieren. Mehr als das, diejenigen, die sich demonstrativ verdammen und hassen sind nicht besser, denn sie sind den egozentrischen Menschen näher, als jeder andere. Es ist als würden sie sagen "ich bin so besonders, dass Gott es auf mich abgesehen hat, weshalb es mir so schlecht geht". Doch sie verstecken sich hinter der Maske des Elends. Diese zwei Typen von Menschen bevorzugen es entweder ihre nicht vorhandene Kraft zu präsentieren, anstatt sie tatsächlich zu entwickeln, oder wegen eines Gefühls der falschen Bescheidenheit sich besonders schlecht zu machen, ohne es im Unterbewusstsein so zu empfinden.

Dann gibt es die Menschen, die die äußere Maske des Ideals aufsetzen und sich so präsentieren, wie sie, ihrer Meinung nach, gerne von den Anderen gesehen werden möchten. Tatsächlich sieht man am liebsten die Leute so, wie sie wirklich sind. Falsches Spiel erkennt man früher, oder später sowieso. Außerdem gibt es kein Ideal. Jeder hat sein Eigenes und somit müssen diese Menschen ihre Masken ständig wechseln, in Abhängigkeit von den Leuten, mit den sie verkehren, was sehr mühevoll sein kann. Viel leichter und befreiender ist es sein selbst zu sein. Doch die Suche nach sich selbst wird durch die künstlichen Illusionen, unter den unsere Gesellschaft leidet, erschwert. Illusionen wie Ängste (vor der Zukunft, vor dem Bankrott, vor dem Tod etc.), angebliche Pflichten (den Eltern/dem Staat gegenüber), sowie der Gedanke man sei nur das Ding zwischen den Ohren und der damit einhergehende Verlust des Körperbewusstseins.
Die äußere Maske des Ideals hat meines Erachtens nach keine Vorteile, aber viele Nachteile. Man lebt ein Leben, das auf Lügen basiert. So kann man schon mal nicht glücklich werden, denn Ehrlichkeit ist nicht umsonst eine Tugend - sie liegt in unserer Natur - und wenn man dagegen verstoßt, dann fühlt man sich schlecht, es sei denn man ist geistig krank und hat deswegen kein Problem damit. Diese Lügen führen zu einem weiteren Phänomen unserer Gesellschaft: Der Kurzlebigkeit von zwischenmenschlichen Beziehungen. Wenn man nicht sein selbst ist und sich einem Ideal entsprechend präsentiert, dann kommt die Wahrheit irgendwann an das Tageslicht und das können die Menschen, mit den man in eine Beziehung tritt, nicht leiden. Die Maske verschwindet und dahinter steckt ein ganz anderer Mensch. In so einem Fall kann von einer weiteren Beziehung oft keine Rede sein, denn die Verbindung zwischen den Menschen wird aufgelöst, weil sie auf Illusionen aufgebaut war. Ein anderes Problem ist die Schwerfälligkeit einen Partner zu finden, der "perfekt" zu einem passt, weil man nicht hinter die Masken blicken kann. Wie soll das auch gehen, wenn jeder sich als etwas Anderes zeigt? Das folgende Gedicht von Shel Silverstein und das Bild inspirierten dazu diesen Blogeintrag zu verfassen:
 She had blue skin
And so did he.
He kept it hid
And so did she.
They searched for blue
Their whole life through,
Then passed right by –
And never knew.

Und das ist genau das, worauf ich hinaus möchte: Man findet sein Glück nie, wenn man Masken trägt, sei es die Kraft, nach der man durstet, Beachtung, oder Anerkennung.
In meinem Leben durfte ich viele Masken anprobiert haben. Ich war der Klassenclown, weil ich nach Aufmerksamkeit durstete, denn sich ins Lächerliche zu ziehen war immer noch besser, als ignoriert zu werden. Dann war ich der artige Sohn, der die Überzeugungen seiner Eltern vertrat, jedoch nie seine eigenen, dann ein Patriot, der mühselig und unsinnig sein Heimatland aus der Ferne in Schutz nahm, dann ein Macho, weil ich mich innerlich nach Anerkennung und Kraft sehnte. Als ich dann die gewünschte Kraft durch körperliches und geistiges Training nach vielen Jahren erreichte, merkte ich wie lächerlich die Macho-Maske ist, ließ sie fallen und erhielt die gewünschte Anerkennung. Inzwischen bin ich einfach nur ich selbst. Zumindest denke ich es, denn ich fühle mich gut. Ich passe mich nicht unnötig dort an, wo es mir überhaupt nicht gefällt. Ich stehe zu meinen Überzeugungen und meinen Schwächen. Doch Letzteres heißt nicht, dass ich nicht ausbaufähig bin.
Sehr oft höre ich, in Bezug auf meine Fotos, dass ich überall anders aussehe. Was sich zuerst zufällig herausstellte, wurde zu meinem Hobby. Inzwischen versuche ich mit Absicht mein Aussehen sehr flexibel zu gestalten und lasse mich dabei gerne fotografieren. Damit möchte ich sagen: Das Äußere mag sich zwar ändern und trügen, doch was wirklich zählt, sind die inneren Werte und diese kann man auf einem Foto (mit einer Maske) nicht festhalten. Deswegen darf man sich nicht nur auf das Visuelle verlassen.



Letztendlich möchte ich über die gesunde Art der temporären Masken (oder inneren Masken des Ideals) erzählen. Die Art, die man sich aufsetzt und sich als Vorbild vornimmt. "Fake it, until you make it" heißt es entweder bei Brian Tracy, oder Napoleon Hill. Einer von den beiden erzählte in einem Buch, dass man, wenn man sich ein Ideal zum Vorbild macht, sich dieses Ideal zuerst äußerlich aneignet. Wenn ich also dauerhaft depressiv bin, aber möchte, dass es mir besser geht, dann sage ich jedes mal, dass es mir sehr gut geht. Besonders wichtig dabei ist, dass man es wirklich so meint, es sich selbst einredet, versucht sich davon zu überzeugen und somit sein Unterbewusstsein programmiert. Tut man dies ohne Überzeugung, bleibt es beim Äußeren und man ist nicht besser, als ein Macho. Diese Vorgehensweise funktioniert und noch besser funktioniert sie, wenn man sie mit weiteren Praktiken unterstützt. Irgendwann wird es nicht mehr nötig sein die Maske zu tragen, weil sie zur Realität wird. Das Innere wird hier durch das Äußere beeinflusst. Das geschieht nicht durch die anderen Formen der Masken, die, wie gesagt, rein äußerlich sind.
Und das dauert. Doch wenn ich es wirklich möchte und es mir täglich einrede und mit Überzeugung so handele, werde ich Tag für Tag, Schritt für Schritt besser. Beständigkeit ist hier das Schlüsselwort. In diesem Zusammenhang redet man auch vom bewussten Brainwashing. Täglich wird versucht  unser Unterbewusstsein zu steuern - mit Erfolg, denn es ist sehr rezeptiv dafür. Warum versuchen wir es nicht selbst mit der Hilfe von temporären Masken und gezieltem Brainwashing? Wichtig ist, dass man das für sich macht, im Inneren und nicht nur im Äußeren. Doch auf die Dichotomie zwischen Form und Sinn werde ich hier nicht weiter eingehen, denn das wird das Thema eines meiner zukünftigen Blogeinträge sein.

Montag, 6. Januar 2014

Neues Jahr, neues Glück?

Oder: "Warum ich dieses Mal zu der Jahreswende niemanden beglückwünscht habe."

Ja, dieses Jahr habe ich mich dazu entschieden niemandem zum Neujahrsbeginn zu gratulieren. Ich habe ausschließlich nur gratuliert, um auf Glückwünsche anderer zu antworten und auf der Arbeit (Kundenfreundlichkeit).
Warum? An sich ist es keine große Sache, doch diese Entscheidung basiert wirklich auf einer Idee. Jedes Jahr wünsche ich den Leuten das, was mich zu der Zeit am meisten beschäftigt und in diesem Jahr dachte ich daran, dass sich in unseren Leben durch die Änderung der Zahl im Kalender alleine nichts ändert. Nichts magisches passiert und die Tage gehen wie gewohnt weiter. Der Glaube daran, dass man eine Schwelle übertritt und nun etwas ändern kann ist der Grund dafür, dass keine Vorsätze wirklich funktionieren. Man meint sich etwas vorgenommen zu haben und nutzt die Zeit bis zum Jahreswechsel als Entschuldigung dafür alles wie gewohnt zu machen. Und danach auch. Dann schiebt man alles darauf, dass Vorsätze eh nicht funktionieren und beschließt es im Sommer zu probieren, oder beim nächsten Jahreswechsel. Wer wirklich etwas ändern möchte, beginnt sofort damit. Dass es nur so geht ist kein Geheimnis, sondern die Wahrheit, die den Meisten zu bitter ist, deshalb verwöhnen sie sich lieber mit den süßen Illusionen, bis es zu spät ist.
Wenn jemand aber begonnen hat sich zu verändern und Schwung aufbaut, dem ist es auch egal, ob ein neues Jahr begonnen hat, oder nicht, denn sein Schwung ändert sich nur, wenn er es möchte. An dieser Stelle befinde ich mich. Deshalb sehe ich nun all die Absurdität dieser Neujahrsfeier. Ganz davon abgesehen, dass in den verschiedenen Teilen der Erde das Neujahrsfest zu verschiedenen Zeiten gefeiert wird. Ich meine nicht, dass man gar nicht feiern muss. Man kann sich ja mit Freunden und Familie treffen und Spaß haben, aber man muss nicht jedem Trend folgen, die Umwelt und das Portemonnaie durch das Ballern mit Raketen belasten/erleichtern, oder neue Vorsätze ausdenken, die man eh nicht in der Lage sein wird einzuhalten.

Es ist jedes Jahr das selbe. Alle wünschen sich die besten Sachen, doch kaum einer meint es wirklich Ernst. Ich wünsche niemandem Gutes, weil es von mir zu einem offiziell akzeptierten Feiertag verlangt wird. Ich mache das auch so. Jeden Tag. Der ganzen Welt. Gleichzeitig glaube ich aber auch daran, dass jedermanns Gesundheit, Glück, finanzielle Unabhängigkeit und Liebe von der jeweiligen Person selbst abhängt, somit wären meine "obligatorischen" Glückwünsche eh unnötig. Ich finde einfach, dass ich niemandem einen Gefallen damit tun würde. Außerdem finde ich das lästig und unglaublich zeitintensiv jedem einzelnen zu schreiben. Ich sehe mich in der Hinsicht aber nicht als eine faule, oder unhöfliche Person an. Ich habe nur Besseres mit meiner Zeit anzufangen und wenn jemand mit mir reden, einen Rat erhalten, oder geben möchte, der braucht mich nur anzurufen/anzuschreiben. Meine Handy-/Festnetznummer und Facebook-Seite sind den Leuten bekannt. Sie wissen, dass ich da und jederzeit bereit bin mit ihnen zu reden, unabhängig davon welcher Tag es ist. Ich wünsche allen Lebensglück, auch wenn gerade kein Weihnachten ist, ermuntere Leute dazu bestimmte Schritte im Leben zu tun, auch wenn gerade kein Neujahrswechsel bevorsteht, und mache Komplimente, ohne dafür auf den Valentinstag zu warten. ;)

Und die Feier sehen auch jedes Jahr gleich aus: Man trifft sich mit Freunden, tanzt (natürlich zum "Final Countdown") und sauft Unmengen an Alkohol. Nicht jeder feiert das Neujahr so, aber viele. In meinem Fall fahre ich zu meiner Familie, da man in Russland das Weihnachtsfest eher nicht feiert, dafür aber alles zum Silvester nachholt, auch die Geschenke. Man macht also ein ganz großes Fest daraus, weshalb in Russland die ersten zehn Tage im Januar Feiertage sind und mit dem Trinken verbracht werden. So viel zu Klischees...
Meine Eltern laden ihre nächsten Freunde ein, haben immer einen sehr vollen Festtagestisch bereit, feiern das russische, das ukrainische und das deutsche Silvester, da die Uhren überall anders gehen. Und dann beginnen die Diskussionen, an den ich mich bisher auch immer beteiligt hatte. Oft geht es um belanglose Sachen, wie Politik und irgendwann ist die Laune im Keller. Letztes Jahr habe ich damit begonnen Dinge anders zu machen und zu betrachten und auch an diesem Tag sollte es keine Ausnahme geben. Während meine Eltern mit ihren Freunden über Putin und die Welt stritten, setze ich mich in die Küche und las "The Power of NOW" von Eckhart Tolle. Ha! Ich lasse mir durch so einem Unsinn, von dem ich mich schon vor einiger Zeit abgewandt habe, doch nicht den Schwung nehmen! Das ist mein Schwung, meine Veränderung, die seit geraumer Zeit andauert und noch lange, vermutlich mein ganzes Leben lang, als ewiger Prozess andauern wird. Dafür brauche ich keine bestimmten Kalendertage und keine Vorsätze.

Dienstag, 24. Dezember 2013

Frohe Weihnachten! Oder...?

Ich wünsche allen eine frohe und besinnliche Weihnachtszeit.
Aber ich möchte es nicht bei diesem Satz alleine belassen. Nehmt euch bitte die Zeit und denkt über diese Worte nach: Eine "frohe" und "besinnliche" Weihnachtszeit.
Es ist mir egal, ob ihr die Geburt Jesu feiert (die zu einer anderen Zeit stattfand, aber das spielt hier keine Rolle), oder die Wintersonnenwende (Yuletide), denn bei diesem Fest geht es alleine um Liebe. Nutzt die freien Tage und verbringt sie im Kreise eurer Lieben. Dabei ist es auch egal, ob ihr euch Geschenke schenkt, oder nicht, denn es geht wirklich nur darum gemeinsam etwas zu unternehmen.

Wenn man so wie ich in den letzten Tagen an der Kasse saß, dann weiß man wie verrückt die Welt um diese Zeit sein kann. Fast jeder ist im Stress (warum?), fast jeder muss Geschenke kaufen (warum nicht [mit] Liebe schenken?), viele wünschen ein "frohes Fest" im Vorbeilauf und mit einem genervten Gesichtsausdruck (warum nicht einfach ruhig sein, wenn du es schon nicht so meinst?). Es ist kein Geheimnis, dass viele Menschen verlernt haben an diesen Tagen zu lächeln, großzügig zu sein, zu lieben, oder ihre Zeit qualitativ zu verbringen. Von den Medien wird vorgegeben was und wie viel man verschenken muss, um die Liebe der Kinder/Eltern/Partner zu erkaufen, und nur wenige wagen es dieses Konzept zu hinterfragen.

Liebe kann man nicht kaufen. Man kann sie nur verschenken und anders als die meisten Geschenke ist sie nicht materiell. Man bekommt sie aber nur dann zurück geschenkt, wenn man es nicht erwartet. Das nennt man "bedingungslose Liebe" und sie sollte jeden Tag ausgeübt werden. Für all die, die diese Regel im Laufe des Jahres vergessen, gibt es Feiertage wie Weihnachten, die mit ihrer Botschaft die Menschen daran erinnern sollen, doch auch diese Botschaft wurde über die Zeit nun ad absurdum verändert. Denkt darüber nach. "Besinnt" euch!

Es liegt an uns die alte Botschaft in einer neuen Zeit zu formulieren! Es gibt noch Menschen, die mehr Wert darauf legen im Kreis der Lieben zu feiern, anstatt sich gegenseitig mit praktischen, aber letztendlich unnötigen Geschenken zu überhäufen. Ich kenne solche Menschen und ich möchte zu solchen Menschen gehören. Wollt Ihr diesem Wahnsinn nicht auch ein Ende setzen? Wo soll es uns denn hinführen? Wir haben sowieso schon mehr als wir brauchen. Nur die Liebe fehlt uns...

Dienstag, 5. November 2013

Über "How I Met Your Mother" und die neue Renaissance

Ich habe soeben endlich wieder eine wirklich gute Episode von "How I Met Your Mother" geschaut (Staffel 9 Episode 8). Nach zahlreichen enttäuschenden Folgen, die mit Unsinn und Dummheit gefüllt waren, hatte diese viel Herz und einige wirklich gute Botschaften in sich.

Das passt gut zu meiner Stimmung: Hoffnungsvoll und zuversichtlich.
Früher habe ich nur darüber geschimpft, wie "dumm" die meisten Menschen sind, dass die Medien Schuld daran sind, dass diese nur Müll essen und sich keine Gedanken um große Ideen machen etc. etc. bla, bla, bla...

Aber mit so einer Herangehensweise, indem man beim Anderen Schuldgefühle verursacht, bewirkt man nichts, außer einer defensiven (weil man ihn angreift) Ignoranz gegenüber solchen Aussagen.
Wenn man etwas bewirken möchte, dann geht das am besten mit Taten, nicht mit Worten, und einer großen Portion Optimismus vor. Denn die eigene Einstellung wirkt sich auf das aus, was man sieht und reflektiert sich in dem Umfeld der Person. Ich sehe nicht mehr "dumme" und "fette" Menschen, sondern die Neugierigen, die Gesunden und diejenigen, die zu erwachen scheinen.

Es gibt in der heutigen Welt eine Tendenz zu diesem Erwachen, wie aus einem bösen Traum. Immer mehr Menschen fangen an die alten Wege zu hinterfragen. Das heißt nicht, dass diese Wege unbedingt "schlecht", oder "falsch" waren - sie sind einfach veraltet. Sich an das, was vor 100 Jahren funktioniert hat, zu klammern ist nicht klug. Soll natürlich nicht heißen, dass man alles umkrempeln muss, aber etwas mehr nachdenken und ändern schon. Und man muss zwischen den Wegen der Natur und den Wegen der Gesellschaft klar unterscheiden können. Wer an seiner Natur etwas ändert, tut sich keinen Gefallen.

Die Renaissance fand auch nicht von Heute auf Morgen statt. Ein kluger Kopf nach dem Anderen, ein Künstler nach dem Anderen, griffen die Richtung des kollektiven Bewusstseins auf, verdeutlichten diese in ihren Werken und beeinflussten dieses Bewusstsein umso mehr. Das geschieht auch heute.
Und wie auch früher gab es zwischen den einzelnen Epochen Übergänge, die uns nicht so sehr im Gedächtnis geblieben sind, weil sie nicht immer schön waren. Ich glaube, dass wir uns in so einer Übergangsphase befinden, der Zeit des "excitare" ("Erwachen", pardon my Latin). Wie ein pubertierender Jugendlicher, der kurz davor ist Verantwortung zu übernehmen, aber noch Angst davor hat, weil er viele Jahre in der Abhängigkeit von seiner Umwelt lebte und nun merkt, dass sein Tun sein Dasein beeinflusst.

Manche sind der Meinung, dass der "Schwarze Tod" (die Pestepidemie) der Katalysator für die Wende der Epochen zu der Renaissance war. Ich glaube, dass die heutigen finanziellen, politischen und gesundheitlichen Krisen gute Parallelen zu der Pest sind und zunehmend dazu führen, dass Viele beginnen einen ganzheitlichen, natürlichen Lebensstil zu pflegen.
Böse, böse Menschen machen dann sogar aus "Bio" Profit und Lügen, aber wenn man mit Köpfchen einkauft, entgeht man auch diesem. Zum Beispiel geht man gegen "Monsanto" nicht mit Gewalt, sondern, wie einst Gandhi, mit passivem Widerstand vor, indem man weiß, hinter welchen Firmennamen dieser Konzern sich versteckt und keine Produkte dieser Firmen kauft. Ganz einfach: Keine Angst haben, nicht schimpfen, sondern lächeln und tun. Und sich um sein eigenes Leben kümmern. Früher, oder später wird sich diese Einstellung auch auf die Anderen übertragen und mit einem Individuum nach dem Anderen wird die Welt besser, denn eine neue Zeit wird kommen.

Montag, 28. Oktober 2013

Das Problem in Deutschland und dessen Innen-/Außenpolitik

Neulich hatte ich spontan eine Idee zur zuvor auf Facebook angesprochenen Problematik der deutschen Außen- und Innenpolitik. Es handelt sich hierbei wirklich nur um eine Idee, einen Gedanken, der etwas abstrakt ist und ich hoffe, dass ich ihn verständlich in Worte fassen kann.

Ich fange bei den Basics an: Der Systemtheorie.

Man sagt, dass alles im Universum in bestimmten Systemen funktioniert. Gleiche Muster sind sowie im Mikro-, als auch im Makrouniversum zu beobachten, z.B. Wirbel und Kreise (Galaxien, Sonnensysteme, Drehachsen, Wasserstrudel, Wirbelstürme etc.). Das liegt daran, dass alles existierende bestimmten universellen Regeln/physischen Gesetzen folgt. Wirbel und Kreise sind nur ein Beispiel, denn ich denke da u.a. noch an den Goldenen Schnitt, der mathematisch mit der Zahl Phi beschrieben wird und in vielen Kunstformen zum Einsatz kommt. Künstlich vom Menschen geschaffene Systeme folgen den selben Regeln, auch wenn das nicht so offensichtlich ist.
Jede Struktur weist Besonderheiten, aber auch Parallelen zu anderen Strukturen auf, z.B. ist der Mensch ein äußerst komplexer, denkender Organismus, der aus zahlreichen Zellen, die verschiedene Formen und Funktionen besitzen, besteht. Gleichzeitig ist er selbst wie eine Zelle auf der Erde, und erfüllt im Idealfall zusammen mit anderen Tieren und Pflanzen seine Rolle auf dem Planeten. Tut er dies nicht, ähnelt er eher einer Krebszelle, die sich rapide vermehrt und den Organismus zerstört, was eine weitere Parallele ist, doch dazu nehme ich in einem anderen Thema mehr Bezug.

Zurück zu dem eigentlichen Thema.
Wenn ein Mensch von Angst (z.B. vor der Einsamkeit) überfüllt ist, keinen Sinn im Leben sieht, keine Kraft besitzt, um gegen Probleme anzukämpfen, dann wird er unglücklich, depressiv und sucht sehr häufig die Schuld in anderen Menschen. Wenn man sich nicht mit seinem Geist (Seele, Innenwelt, Denken, welches Wort auch immer...) in Ruhe auseinandersetzt, dann bleibt man für immer eine Art Mensch, die David Riesman als "outer-directed" (nach außen gerichtet) beschreibt. Das heißt, dass man sich weniger um seine physische und vor allem psychische Gesundheit kümmert, weniger um die Qualität der Beziehung zu seiner Familie und Freunden, als darum, was andere von einem denken könnten. Man trägt die Kleidung, die "sozial akzeptabel" ist, spricht die Sprache, die bei bestimmten Peers gut ankommt, kauft die Sachen, die Andere auch kaufen und tut das, was die Anderen von einem erwarten. Unabhängig davon, ob es einem selbst gefällt, oder nicht. Durch diese Art zu leben urteilt man viel seltener über sich selbst und viel häufiger über Andere. Man vergleicht sich mit anderen und will anderen vorschreiben, wie sie sich zu verhalten haben. Nämlich so, wie man es selbst tut. Diese Lebensweise mit ihrem Drang nach Anerkennung und ihren Vorurteilen dominiert in der heutigen (westlichen) Welt.

Und hier kommen wir wieder zu den kleinen Systemen, die sich in großen Systemen widerspiegeln, denn so wie ein Mensch mit seiner Innen- und Außenwelt umgeht, so geht auch die Gesellschaft damit um, in Form von Innen- und Außenpolitik.
Wie die Gesellschaft sich im Großen überwiegend verhält, wird davon beeinflusst, wie der größte Teil der Bevölkerung sich im Kleinen verhält. Ich nenne das "natürliche Demokratie", denn hier entsteht eine Tendenz zu einem bestimmten gemeinschaftlichen Verhalten, ohne dass man es öffentlich abklärt. Man kann es auch als kollektives Denken bezeichnen.
Im Bezug auf das Deutsche Volk (oder auch die westliche Welt im Allgemeinen) würde ich sagen, dass die meisten Deutschen verlernt haben mit ihrer Innenwelt umzugehen. Ein Beispiel ist die Scham wegen der Vergangenheit des deutschen Volkes, die ihnen nahezu angeboren wird und unbewusst auf ihrer Seele lastet. Wenn sie nicht lernen damit umzugehen, z.B. einsehen, dass die Taten ihrer Vorfahren nichts mit der heutigen Person gemein haben, versuchen sie diese unangenehmen Gefühle zu unterdrücken, indem sie sich umso schöner nach außen präsentieren. Dieses Unterdrücken kann zu Depressionen führen (depress: unterdrücken). Diese Scham hat dazu geführt, dass Deutschland im Laufe der letzten Jahrzehnte die Vorbildrolle für Europa eingenommen hat, was lange gut funktioniert hat. Es hat sich schön nach Außen präsentiert und nach dem Krieg auch innen in vielen Bereichen (obwohl nicht in allen) gut funktioniert, denn es gab eine Wiedergeburt, eine totale Änderung des gemeinschaftlichen Denkens. Wie ein einzelner Mensch, der nach einer erfolgreich überstandenen Tiefphase in seinem Leben sich beflügelt und voller Kraft fühlt.

Diese Hochphase ist in diesem Land lange vorbei und Deutschland befindet sich schon seit Jahren auf einem sehr steilen Weg nach unten, haftet jedoch noch an den alten Werten (Vorbild für Andere, "demokratisches" Ideal, Stabilität), aus Angst vor einem erneuten Ruin, wie nach dem zweiten Weltkrieg. Genau wie jeder Mensch an seinen Dogmen und Traditionen festhält, um die scheinbare Stabilität zu wahren, was, wie die Geschichte zeigt, nie funktioniert. Dieses Verhalten spiegelt sich in Deutschlands Versuchen die Wichtigkeit der alten Werte zu betonen, die Schuld auf andere zu schieben (Griechenland etc.), aber auch in einer aktiveren Rolle bei militärischen Auslandseinsätzen, als würde es sagen wollen: "Wir wissen auch wo es lang geht, wir gehören zu euch, wir spielen mit, wir wollen gemocht werden!"

So ein Ruin von Innen muss aber kommen! Eine möglichst gewaltfreie Revolution, die jeder Mensch/jede Nation/die ganze Welt erleben sollte, damit man wie ein Phönix aus der Asche auferstehen und vom Neuen beginnen kann, mit den Fehlern der Vergangenheit im Gedächtnis, jedoch nicht als Last, sondern als Warnung. Lernt man nicht aus den Fehlern, droht die Wiederholung der Geschichte.
So wird die Menschheit stärker und besser, genau wie ein Muskel, dessen Fasern durch Training erstmal reißen müssen, damit er stärker wird.

Die Geschichte wiederholt sich nicht zufällig, denn auch Zeit folgt bestimmten Systemen, Formen und Rhythmen. Man muss nur lernen diese abstrakt im Kleinen, sowie im Großen zu erkennen.
Die Menschen in Deutschland (im Abendland und auf der ganzen Welt) sollten in meinen Augen sich erst mit der eigenen Innenwelt beschäftigen, lernen innere Kraft zu entwickeln, um in Krisenzeiten nicht von anderen abzuhängen, sich ein Lebensziel zu setzen, um mit einem Sinn zu leben und den eigenen Weg zu gehen. Wenn jeder Einzelne an sich arbeitet, anstatt mit dem Finger auf andere zu zeigen (der Ehepartner, der Nachbar, der Kollege, Syrien, Ägypten, USA, Russland...), oder fremden Anweisungen zu folgen, ändert sich mit der Zeit das kollektive Denken. Ändern sich mehrere Länder auf diese Weise, kann auch die ganze Welt besser werden. Das, was hier nach einer Utopie klingt ist möglich, wenn die Menschen bereit sind sich ihrer Innenwelt zu stellen.