Gestern ist ein Bekannter und einer meiner Wegweiser verstorben. Ich trauere um Wolfgang D.
Als Einzelgänger und nicht-Vereinsmitglied hatte ich leider nur selten das Glück von ihm unterrichtet zu werden, aber das, was er mir beigebracht hatte, hat einen enormen Einfluss auf mich und meine Sicht des Karate gehabt.
Zwar lernte ich ihn erst in diesem Jahr kennen, aber es kommt mir vor, als wäre er mir schon seit vielen Jahren bekannt. Vielleicht war es ihm nicht bewusst, aber ich hatte von Anfang an großen Respekt und sogar etwas Ehrfurcht vor ihm. Ich danke ihm für seine Lehren und werde versuchen diese an unsere Leute im Uni-Kurs weiter zu geben.
Mein
Makiwara ist fertig und ich schlage schon seit einigen Tagen drauf. Das
Teil erfüllt dessen Zweck bestens, ist stabil und ich bin froh, dass ich
mir die Mühe machte. Anders, als bei dem gepolsterten Dummy in der
Kampfsporthalle (der jetzt leider kaputt ist und fehlt) tut es hier
richtig weh drauf zu schlagen. Und das obwohl ich schon drei Handtücher
drum gewickelt und zwei Lagen Pappe dahinter gesteckt habe. Die
Handtücher und Pappe sind schon nach wenigen Schlägen platt und es fühlt
sich an, als schlüge ich auf das blanke Brett. Ich muss mir da noch
etwas ausdenken und vielleicht ein Kissen aus Lederoberfläche und
gepolstertem Innenfutter basteln. Zwar ist eins der Ziele der
Makiwara-Trainings die Abhärtung der Fäuste, aber man muss sich ja nicht
gleich kaputt machen. Man steigert sich langsam, trainiert dafür
täglich. Täglich 150 Schläge. Damit müssen die Nachbarn leben. Ich
musste das Teil etwas umbauen, weil mein vorheriger Entwurf aus
physikalischer Betrachtung völliger Unsinn war und sich auch als
unbrauchbar erwies. Fotos kommen, wenn ich die Kamera von meinen Eltern
abgeholt habe. Keine Lust mehr auf GoPro-Fotos.
Abgesehen
davon, dass ich nun ein selbst-gebautes Trainingsgerät aus Holz
in meiner Wohnung stehen habe und der Rest der Wohnung (noch) wie eine
Werkstatt aussieht, gibt es einige angenehme Neuigkeiten. Eine davon
ist, dass ich u.a. in der Uni-Zeitung (Augusta) erwähnt wurde. Vielen
Dank dabei an Malte, der den Artikel sehr kompetent und informativ
verfasste und auch ausgerechnet mein Foto verwendete:
Man beachte den Brötchenkrümel. Ich sollte meine Scanfläche säubern...
Zwar sollte ich meinen Stolz zähmen und es ist auch "nur" eine Uni-interne-Zeitung, aber... ja, es tut gut und freut mich. :)
In
letzter Zeit treffe ich mich oft mit Freunden aus alter Schulzeit,
Arbeitskollegen und Kommilitonen und unterhalte mich mit ihnen. Meistens
geht es auf etwas Philosophisches hinaus, denn solche Themen
interessieren mich in letzter Zeit am meisten. Als ich meinem Vater
davon erzählte, ist ihm mit Bedauern aufgefallen, dass nur Männer sind,
mit den ich mich treffe und tatsächlich, komisch, aber als ich mich
fragte warum, ist mir klar geworden, dass man mit Frauen nicht über
solche Themen sprechen könnte. Zumindest mit den meisten nicht. Ich habe
es mal bei einer alten Freundin probiert ein philosophisches Thema
anzusprechen und das ging in die Hose, denn sie war schnell gelangweilt.
Traurig. Sorry, aber ich kann nicht immer nur über pauschalen Kram reden.
Das Musashi-Buch ist angekommen und ich bin auch schon fast mit dem ersten
Teil fertig. Es ist faszinierend, wie genau doch der Film nach dem Buch
gedreht wurde. Natürlich gibt es hier und da leichte Änderungen, aber
das sind Kleinigkeiten und oft sind sogar die Dialoge Wort für Wort
identisch. Das Buch ist faszinierend und sehr schön geschrieben. Kann
ich jedem empfehlen, der sich für Budo-Künste interessiert. Naja,
eigentlich jedem, denn es geht in dem Buch nicht nur darum. Es ist auch
eine interessante Liebesgeschichte.
Am kommenden Wochenende kann
ich endlich wieder zu meinen Eltern fahren. War schon seit über einem
Monat nicht mehr in Bad Pyrmont und langsam wird mir in Göttingen
langweilig. Ich brauche mal ein wenig Urlaub, auch wenn es nur ein und
halb Tage sind, aber alleine wegen der leckeren Lasagne und des schönen
Schaumbades lohnt es sich total, abgesehen davon, dass es schön ist die
Eltern wieder zu sehen. :)
Ich würde ja gerne länger bleiben, aber am
Sonntag findet in Kaufland die jährliche Weihnachtsfeier statt und ich
muss am Sonntag schon um 11 Uhr am Parkplatz aufkreuzen, um dann mit den
Kollegen an einen anderen Ort zum Bowlen zu fahren.
Mein Urlaub
für das nächste Jahr steht auch fest: Es geht im September nach Israel,
zu dem Rest der Familie. Das wird sicherlich interessant.
Das
heutige Training war anstrengend und da ich morgen recht früh wieder zum
Training raus muss, sollte ich nach Morpheus Königreich aufbrechen.
Bei mir geht es drüber und drunter. Ich habe echt viel zu tun und
deshalb poste ich erstmal die versprochenen Fotos (schlechter Qualität)
vom Trivium Konzert:
Das Foto hat Einer aus der Band ganz am Ende geschossen und bei Facebook gepostet. Ich grinse ganz links in der zweiten Reihe hinter dem Mädchen. :D
Sorry für die Qualität: Altes Sony Ericsson Handy schießt im Dunkeln, während man von allen Seiten angerempelt wird, keine guten Fotos. Der Preis, den man zahlt, wenn man ganz vorne steht! :D
Mein 100. Eintrag. Hätte nicht gedacht, dass ich so weit komme, als ich den Blog ins Leben gerufen habe. Freut mich und macht Spaß. Ich mache weiter :)
Anfangen möchte ich mit einem angenehmen Thema: Ich komme gerade von der Präsentation unserer Forschung vom sportwissenschaftlichen Institut. Ich weiß nicht mehr, ob ich darüber geschrieben habe, oder nicht, aber ich habe mich im Rahmen eines Projektes an einer Forschung beteiligt. Es haben mehrere Teams von verschiedenen Fakultäten (VWL, Biologie, Theologie, Sport, usw.) mitgemacht und sollten nach einem eigenen Thema forschen. Das Thema unseres Teams war u.A. die Beweglichkeit und langfristige Effekte eines Dehntrainings, deshalb suchten wir uns Probanden und machten über zehn Tage mit ihnen Dehnübungen. Es wurde alles mehrfach vermessen und ausgewertet und die Ergebnisse der Forschung heute präsentiert. Vier Teams durften mit ihren Ergebnissen auftreten und am Ende wurde über den besten Vortrag abgestimmt. Unser Team konnte sich durchsetzen. :)
Wir bekamen eine Flasche Sekt und einen richtig dicken Plüschfuchs, den wir zum "Folle-Fuchs" tauften (wegen FOLL: Forschungsorientiertes Lehren und Lernen - so der Name des Projektes). Außer des Vortrags haben wir auch ein Poster angefertigt. Ich habe mich während der ganzen Arbeit nicht so sehr an den Auswertung der Ergebnisse, dafür mehr am Design des Posters beteiligt und bin froh, dass das Ergebnis, nicht nur bei den Teammitgliedern, gut angekommen ist.
Nun muss nur noch unser gemeinsames Forschungsergebnis fertiggestellt und eingereicht werden und es werden jedem 12 Credit-Points angerechnet. Das ist so viel, wie man für eine Bachelor-Arbeit bekommen. Yawp!!
Und da sich in meinem Leben gerade das Meiste um Karate dreht, darf auch an dieser Stelle nichts darüber fehlen: Ich habe meine Arbeit an dem Makiwara (Karate-Übungsgerät, siehe "Bretter schlagen zurück, Teil 1-3") wieder aufgenommen. Zwischendurch hatte ich leichte finanzielle Probleme und konnte deswegen nicht weitermachen. Auch die Motivation spielte eine große Rolle, aber leider nicht immer mit. Jetzt habe ich in wenigen Tagen einen großen Sprung gemacht und bin eigentlich fast fertig. Aus einem groben Brett habe ich nun drei kleinere Bretter gesägt und daraus die Basis gebildet für das lange Brett, gegen das ich schlagen werde, das eigentliche Makiwara, welches ich in der Zwischenzeit zu Ende gehobelt, geschliffen und mit den restlichen Brettern teilweise lackiert habe. Da man langsam lackieren muss (jede Seite drei mal mit jeweils mind. 12 Stunden zwischendurch), wird sich die Arbeit noch über einige Tage hinziehen. Außerdem muss ich noch ein Gegengewicht finden, welches ich noch irgendwie an das ganze Ding befestigen soll. Ich denke da an Plastikkästen, mit Sand gefüllt und mit Seilen befestigt. Sieht nicht sehr elegant aus, aber erfüllt den Zweck. Und als letztes bleibt noch das Polster, welches ich mir auf eBay bestellen werde. Ich fange mit einem nicht zu weichen und nicht zu harten Polster an und werde es dann, wenn ich weit genug bin, durch Seile und dann gegen ein einfaches Tuch, welches ich um das Brett wickele, ersetzen.
Es folgen einige Fotos. Leider ist die Kamera, mit der ich bisher fotografiert habe, bei meinen Eltern, deshalb ist nur das erste, ältere Foto einigermaßen gut. Die zwei anderen Fotos habe ich heute mit der GoPro gemacht, deshalb sind sie etwas unscharf und durch den Weitwinkel verzerrt:
Die Basis vor der Bearbeitung...
...und danach.
Das Makiwara, gehobelt, geschliffen, teilweise lackiert.
An den Basis-Brettern gibt es einige ungerade Kanten, die bei der ungewohnten Arbeit mit der Stichsäge entstanden sind, aber ich hatte keine Lust darauf diese auch noch zu bearbeiten. So wichtig ist das nicht, schließlich ist es nur das Fundament und muss nur perfekt stabilisieren, nicht perfekt aussehen. Und die Asymmetrie verleiht dem ganzen einen natürlicheren Look, finde ich.
Abgesehen vom Makiwara, läuft auch das Karate-Training: Ich helfe beim Unterricht und die neuen Schüler hören sehr gut zu. Fast alles Erstsemester-Studenten und noch so gehorsam. Aber auch sehr interessiert. Das freut mich sehr. ^.^
Nun habe ich mich an das Studium der Kanku Dai gemacht, einer der höheren Katas, aus der die ersten fünf Heian Katas von Meister Itosu entwickelt wurden. Hier eine kleine Demo:
Den Ablauf der Kata hatte ich nach einem Tag drin. Jetzt muss ich lernen die Bewegungen perfekt und sauber auszuführen, sowie das korrekte Timing beizubehalten. Später werden die einzelnen Techniken auseinandergenommen und deren realisitsche Verwendung (Bunkai) studiert.
Und ich habe Schlatt-Sensei gefragt, ob ich mir Kopien aus seiner Enzyklopädie machen dürfte, um sie bei unseren Studenten-Anfängern zu verteilen. Er hat es mir erlaubt, deshalb beschäftige ich mich seit heute mit dem Scannen der für den Unterricht relevanten Informationen. Später werde ich das schön zusammenstellen und auf 2-3 Din A4 Blättern ausdrucken, kopieren und verteilen.
Abgekürzt auch "budō", bedeutet der "Weg des Kriegers". Für jemanden, der sich nicht mit dem Thema befasst klingt es vermutlich nach Krieg, Waffen und Gewalt. Tatsächlich ist der Weg des Kriegers im japanischen Sinne, der Weg eines Gentlemans. Ein Krieger steht für Gerechtigkeit und ist fair, friedliebend, ehrlich, respektvoll und hilfsbereit. Im Grunde genommen ist das die Vorstellung eines mittelalterlichen europäischen Ritters und ein Bushi ist nichts Anderes. Leider ist heute die Vorstellung von dem, wie ein Mann sein sollte, verloren gegangen. Die Wenigsten besitzen Manieren, sind respektvoll, hilfsbereit oder gar männlich. Das ist leider der Wandel, den die westliche Welt unternommen hat und da kann ich alleine nichts ändern, nur lediglich als Gegenbeispiel dazu dienen. Und obwohl ich selber weit von diesem Ideal entfernt bin, möchte ich so werden und arbeite Tag für Tag an mir.
Beispiel nehme ich mir u.a. an Karate-Meistern aus der ganzen Welt, über die ich in Büchern lese. Die meisten von ihnen verkörpern diese Prinzipien, selbst wenn manche von ihnen eine wilde Jugend hatten. Abseits von Karate-Meistern gibt es noch mindestens eine historische Person, die mich inspiriert: Miyamoto Musashi.
Musashi ist der berühmteste Samurai in der Geschichte Japans. Er hatte im Mittelalter zu Zeiten von großen Unruhen gelebt und war der Sohn eines adeligen Kendo-Meisters. Von seinem Vater hatte er allerdings nicht viel, weil dieser die Familie früh verließ und so musste Musashi nach dem baldigen Tod seiner Mutter alleine aufwachsen. Mit 13 Jahren erschlug er einen Mann im Streit, mit 16 tötete er im Kampf einen anderen. Damals war der Tod an der Tagesordnung (Bürgerkrieg und so), aber dennoch sorgte er für Unruhe, wurde gefangen genommen und von einem Mönch unterrichtet. Dieser zügelte Musashis wilden Charakter und so zog der besonnte Krieger durch das Land und forderte die besten Kämpfer heraus. So siegte er bis zu seinem 39 Lebensjahr in über 60 Kämpfen, verlor nicht ein mal.
Warum machte er das? Nun, er hat sich dem Leben eines Kriegers verschrieben und wollte ohne Lehrer und Herrn den Sinn seines Lebens durch den Schwertkampf finden. Als er bemerkte, dass der Kampf ihn nicht mehr weiter brachte, entschloss er sich diesen aufzugeben und sein Leben der Poesie, Malerei und dem Unterricht zu widmen. Man sagt auch, dass der Weg des Schwertes und der Weg des Pinsels in Wirklichkeit ein und derselbe Weg sind. Musashi wurde anschließend ein sehr weiser und geachteter Mann und schrieb in den zwei Wochen vor seinem Tod (mit 61) "Das Buch der Fünf Ringe", in dem er Kampfstrategien für den Groß- und Nahkampf, einige Philosophien des Krieger-Daseins und seine Zwei-Schwert-Kampfschule erläuterte. Dieses Buch ist bis heute eine Pflichtlektüre für jeden japanischen Businessmann, denn viele der Grundsätze lassen sich nicht nur auf den Schwertkampf übertragen.
Musashis gesamtes Leben und die damit verbundenen Legenden sind sehr philosophisch und ich habe hier weder den Platz noch die Zeit das alles ausführlich zu beschreiben, aber wer sich dafür interessiert, kann über sein Leben nachlesen. Jedenfalls ist das Ganze sehr romantisch und ich bin ein Romantiker. Ich mag Poesie, Philosophie, Sonnenuntergänge, Sternenhimmel, die Natur allgemein und, und, und... Und leider kann man heutzutage nicht genauso leben, wie Musashi (oder vielleicht ist es besser so, weil wir in einer etwas friedlicheren Zeit leben), aber man kann einige Prinzipien, den er folgte, dennoch übernehmen. Prinzipien wie z.B. Mut, Vernunft, "erst denken, dann handeln", Beharrlichkeit, Respekt, das Streben nach dem Lernen (er soll angeblich nie an einem Meister, egal welcher Kunst, vorbei gezogen sein, ohne diesen danach zu bitten ihm etwas beizubringen). Er trank keinen Alkohol und hatte sich von Frauen abgewendet. Während Letzteres für manche etwas übertrieben klingen mag, kann ich es ein wenig nachvollziehen: Eine Familie ist wichtig, aber wenn sich jemand gut anstellt, gründet er diese früher, oder später in jedem Fall. Frauen, alleine der natürlichen Begierde wegen, hinterher zu jagen ist aber etwas Anderes. Es ist eine Schwäche, die uns Männer zu wilden Tieren verkommen lässt und diese Schwäche gilt es auszumerzen, genauso wie weitere Laster. Ich finde, dass Musashi sich da sehr clever angestellt hat. Er hatte zwar keine Kinder, aber dies hatte er anscheinend nicht nötig, denn er hatte seine Kunst. Ich hingegen möchte Kinder haben, da es für mich gerade eh zu früh ist und ich erstmal eine Basis in meinem Leben finden sollte, kann ich mich im Moment voll und ganz auf mein Studium und meine Kunst, das Karate, konzentrieren.
Neulich hatte ich mir drei Filme aus den 50-ern über Musashi, mit Toshiro Mifune in der Hautrolle, angeschaut. Das sind sehr gute Verfilmungen des Romans "Musashi" von Eiji Yoshikawa. Das Buch habe ich mir vor ein Paar Tagen bestellt. Ein bekannter Karateka meinte, es sei sehr inspirierend. Da freue ich mich schon drauf. :)
Abseits von diesen Veränderungen in meinem Denken, ist sonst nicht viel passiert. Ich trainiere nach wie vor, doch leider nicht mehr ganz so oft, wie früher. Mit dem Studium habe ich oft nicht mehr den Nachmittag frei, den ich früher für das Training benutzte. Und wenn ich früher mit dem Uni-Kurs trainieren konnte, so ist das nun auch nicht mehr möglich. Wir haben einen gewaltigen Zulauf an neuen Interessenten bekommen (ca. 20-30 Leute, ungefähr das doppelte-dreifache des Normalfalls) und alle, die etwas länger dabei sind, helfen nun mit beim Unterrichten, d.h. Aufwärmtraining leiten (jetzt musste ich das schon beide Male machen und glaube, dass das so bleibt), demonstrieren, erklären, herum gehen und korrigieren. Vom eigenen Training hat man da nicht mehr viel, sodass man nach zwei Stunden müde, aber trotzdem ohne geschwitzt zu haben, nach Hause geht. Der Lehrer meinte außerdem, dass er das gesamte Kata-Training mir überlassen möchte. Obwohl das alles nach einer Beschwerde klingt, freue ich mich über all das. Anhand der Fehler der Anfänger, kann ich nochmal die Fehler bemerken, die ich entweder immer noch mache, oder diejenigen, die sich wieder eingeschlichen haben, eliminieren. Außerdem lernt man so den Umgang mit Schülern und das kann ich für die Zukunft sehr gut gebrauchen. Ich freue mich auf das Kata-Training, denn da kann ich mich voll und ganz austoben.
Anderes Thema: Letzte Woche war ich auf einem Trivium-Konzert. Fotos folgen später. :)
Ich bin zurück von der Deutschen Karate-Hochschulmeisterschaft 2012 und es gibt Vieles zu berichten. Zuerst möchte ich mich bei den Organisatoren unseres Teams Malte und Steffi, sowie unserem Fahrer Jannik für die große Mühe bedanken, die sie sich gemacht haben, damit alles glatt läuft! Zweitens möchte ich sagen, dass wir ein super Team waren und es gab einfach kein lauteres Team als uns. Niemand hat die eigenen Leute so angefeuert wie wir! Für diesen Zusammenhalt danke ich allen und nicht zuletzt unserem Lehrer Heiko, der mit seiner positiven Art uns alle dazu animiert Spaß zu haben und einander zu unterstützen.
Wir waren erfolgreich. 2x 1. Platz, 2x 2. Platz und ein 3. Platz klingen gut! Ich selber hätte es nicht gedacht, aber ich habe tatsächlich den 1. Platz in Kata in der Kategorie 9.-5. Kyu (Weiß- bis Violettgurt) geholt und bin damit deutscher Hochschulmeister 2012. Den Titel mag ich nicht so sehr, denn es klingt so aufgeblasen und generell versuche ich das Ganze sehr bescheiden anzugehen. Natürlich freue ich mich! Aber ich muss auch zugeben, dass es nicht allzu schwer gewesen ist. Ich habe nicht gewonnen, weil meine Kata so gut war, sondern weil die Katas meiner Gegner schlecht waren. Bei allem Respekt vor ihnen (und das waren super freundliche Männer mit den ich mich gut unterhalten habe), aber auf dem Level, wie die waren, sollte man an einer Meisterschaft nicht teilnehmen. Ich selber war mir nicht sicher, ob ich es tun sollte, aber dann ließ ich mich überreden und außerdem wollte ich sehen, wie so etwas abläuft. Vielleicht wollten meine Opponenten das auch, ich weiß es nicht.
Trotz meines Sieges bleibe ich bei meiner eher abgeneigten Meinung bezüglich Wettkämpfe. Es war das reinste Theater! Zuvor hatte ich einen Artikel über eine der vergangenen DHM gelesen. Die Überschrift lautete "Viel Geschrei um nichts" und damals dachte ich mir, dass der Verfasser des Artikels einfach keine Ahnung über Karate uns dessen Schrei, den Kiai, hatte. Jetzt, wo ich das Ganze selber erleben durfte, weiß ich was gemeint war...
Zum Kiai: Anfänger müssen den Kiai ganz oft machen, damit sie lernen nach jeder Technik stark auszuatmen. Später, wenn man den Atem unter Kontrolle hat, kommt der Kiai manchmal fast unwillkürlich, aus der Bauchregion und entsteht durch eine starke und konzentrierte Technik und den damit verbundenen Zusammenpressen der Bauchmuskulatur. Die Luft wird heraus gezwungen und das klingt keinesfalls melodisch. Wenn man sich langsam einem Level nähert, wo man sich als Meister bezeichnen könnte, sollte man lernen Techniken nicht weniger stark, aber trotzdem ohne Kiai auszuführen, denn so ein Schrei kann noch so kurz sein, aber er raubt Energie, besonders wenn er länger anhält. In einer ernsthaften Situation hat man nur sehr wenig Energie, um mit einer großen Menge Gegner fertig zu werden. Man muss mit der Energie sehr sparsam sein, wenn man nicht verlieren möchte, bzw. um noch genug für eine Flucht zu haben, also macht es nicht viel Sinn nach jedem Schlag zu schreien, denn so ist man nach kürzester Zeit aus der Puste. Atmung ist extrem wichtig, sofern sie kontrolliert wird, der Kiai nicht so. Ein richtiger Kiai jedoch, der wirklich aus der Bauchregion (Tanden, oder Hara) kommt, ist auch toll, denn er ist so voll von Energie, dass er einen Gegner für kurze Zeit lähmen kann (habe ich selber ein Mal an mir erleben müssen). Ein einfacher Schrei tut dies nicht.
Zurück zur DHM: Bei Wettkämpfen gibt es die Regel, dass ein Schlag/Tritt nicht dann gewertet wird, wenn er sitzt und nicht ein mal wenn der Gegner am Boden liegt (dafür gibt es sogar Strafpunkte), sondern wenn die Ausführung sauber ist. Klingt in der Theorie schön, korrekt und hat den Hauch von alter Schule, aber in der Praxis sieht es anders aus. Zu einer sauberen Technik wird hier leider ein deutlich hörbarer Kiai erwartet. Viele Teilnehmer (und ihre Lehrer) verstehen dies falsch und so wird das Ganze zu einem Schrei-Wettbewerb. Wenn beide Kämpfer treffen, aber einer lauter und länger schreit als der andere, so hat er den Punkt. Lächerlich! Und Kopfschmerzen-fördernd. Besonders bei Frauen. Während die Männer noch tief und kraftvoll schreien, kreischen die Frauen. Manchmal klingt es wie ein Katzenkampf, manchmal wie ein Hahnenkampf und manchmal so, als wäre die Angreiferin verzweifelt, oder es würde ihr mehr weh tun, als ihrer Gegnerin. Zum Schluss wollte ich bei den Frauen gar nicht mehr zuschauen.
Es ist also sehr viel Show in den Wettkampf verwickelt. Das ist nicht Budo! Noch schlimmer sieht es bei Kata aus.
Kata ist, wie ich zuvor schon geschrieben hatte, eine Form des imaginären Kampfes. Sie wurde von Meistern anhand realer Begegnungen entwickelt und bilden den Grundstein für Karate und weitere Budo-Künste. Heutzutage ist Karate in drei gleich wichtige Bereiche eingeteilt: Kata, Kihon und Kumite. Früher gab es nur Kata und diejenigen, dessen Namen heute legendär sind, hatten zu ihrer Zeit nur Kata trainiert und für jede Kata mussten sie drei Jahre aufwenden. Sie hatten Grundschule, sowie reale Kampfsituationen nur mit Kata trainiert. Ich finde es faszinierend und schwer vorstellbar zugleich. Heute gibt es für die Einzeltechniken die Grundschule für das Kampftraining Kumite, Kata wird von vielen als nutzlos betrachtet, aber gerade das ist das Wichtigste und wenn ich Interviews mit Meistern lese, so sagen alle: Kata ist Karate.
Kata muss aber auch richtig gelernt werden: Zuerst kommt die Form, das optische. Jede Bewegung muss richtig und mit korrektem Timing ausgeführt werden, sodass man immer in sich abgeschlossene Techniken mit Kime hat und keinen Wisch-Wasch. Danach lernt man Bunkai, also die realistische Anwendung der einzelnen Techniken, dabei ist, wie ich auch schon zuvor schrieb, nicht eindeutig festgelegt, wie man die Techniken richtig anwendet und es ist jedem selbst überlassen wie man es interpretiert. Wer in der Lage ist über die starre Form hinweg zu denken, hat die Essenz des Karate begriffen.
In jeder Kata gibt es einen bis drei Kiai, wenn man aber die Kata bis zu ihrem Ursprung im chinesischen Kung-Fu, sowie einige historische Aspekte betrachtet, so wird man feststellen, dass die Kiai erst später der Kata hinzugefügt wurde. Besonders im Wettkampf wird darauf geachtet, dass der Kiai kräftig, ausdrucksvoll und lang ist, aber das macht in einer realen Situation wirklich keinen Sinn (s.o.). Ebenso wenig Sinn machen besonders langsame Bewegungen in den Kata, die es heutzutage gibt. Während ich sie im Training so ausführe, möchten die Schiedsrichter im Wettkampf diese noch langsamer und ausdrucksvoller sehen. Im echten Kampf ist solch ein ästhetischer Ausdruck aber von wenig Nutzen. Diese Richtlinien entfernen die Kata immer mehr vom wahren Bunkai und dessen Bedeutung wird immer mehr verzerrt. Aus einer Formel für den Kampf hat man eine Choreografie gemacht, die bei manchen Teilnehmern schon fast an einen Tanz erinnert.
Ich gebe zu, dass ich während meiner Auftritte bei der DHM etwas längere Kiai gemacht habe, als es mir lieb wäre, aber ganz so leicht wollte ich es meinen Konkurrenten auch nicht machen. Ich habe mich an mein Tempo gehalten und nicht an das, was man gerne sehen würde und ich habe eine Kata gewählt, die, wie mir später gesagt wurde, sehr selten bei Wettkämpfen gewählt wird, weil sie nur wenige Elemente enthält, die diesen Ausdruck herüber bringen. Trotzdem war es die Kata (Tekki Shodan), die mir den Sieg gebracht hat, obwohl mein Gegner eine lange Kata aus dem Bereich der höheren Kata (also fortgeschrittenen) machte und ich die kürzeste Grundkata von allen. Ich bin echt froh darüber und, ja, schon stolz. Ein Bisschen. :)
Gestern habe ich mir das Video von meiner finalen Kata angeschaut und war ein wenig schockiert, denn es gab genug Punkte, an den ich meckern würde. Aber die Schiedsrichter sahen das wohl doch anders.
Die Tekki Shodan (Eiserner Reiter) ist eine komplizierte Kata, wenn man Wert auf ihre Bedeutung und nicht die Ästhetik legt, die viele Bereiche trainiert: Den Kiba-Dachi (Reiterstand) und damit die Oberschenkelmuskulatur, sowie die Rippen-, Rücken- und Hüftmuskulatur bei den Drehungen und Kime bei den wenigen Schlägen, denn mit ohne Kime kommt man so so kurzen Schlägen in einer realen Situation nicht weiter.
Hier ist ein Beispiel der Kata:
Sie wurde entworfen, damit man den Kampf in engen Gängen trainieren kann, deshalb bewegt man sich nur seitlich auf einer Linie (embusen) und macht keine zu weit ausgeholten Bewegungen. Die Kata ist Voraussetzung zu das Bestehen der Prüfung zum ersten Braungurt.
Fotos und evtl. Videos von der DHM folgen später, sobald ich genug gesammelt und bearbeitet habe.
Ich hatte ja schon lange den Verdacht, aber erst neulich hatte es sich erneut bestätigt: Ich mag laute und volle Partys nicht. Ich war früher schon, zu den Gymnasialschulzeit kein Fan von Diskos. Erst zum Schluss, kurz vor dem Abi, ging ich öfter mal mit den Klassenkameraden mit. Danach kam meine Breakdance-Auftrittszeit, also hatte ich genug Musik, Tanz und Leute um mich, dann war ich fast zwei Jahre in einer Beziehung und erst als diese vorbei war, wollte ich so sehr etwas in meinem Leben ändern, dass ich angefangen habe wie ein besessener zu feiern. Das legte sich mit der Zeit, bis ich irgendwie gar keine Lust mehr darauf hatte. Ich hatte Karate, Meditation und das Lesen für mich wieder entdeckt und irgendwie war mein Leben damit bunt genug, sodass ich nicht mehr feiern musste.
Diese Woche habe ich Urlaub und gleichzeitig finden die ganzen O-Phasen-Partys in Göttingen statt. Das letzte Mal war ich in einer Disko vor ca. vier Monaten und so dachte ich mir, dass ich für den Testzweck noch einmal richtig feiere, zwei Tage hintereinander und dann genau weiß, ob ich noch Lust darauf habe, oder nicht.
Ich sage zwei Sachen:
1. Ich kann noch tanzen.
2. I'm too old for this shit.
Die meisten Leute, die dort sind, sind fast schon in dem Jahr geboren, als ich nach Deutschland kam. Das ist mir definitiv zu jung und man ist doch lieber unter gleichaltrigen Menschen.
Außerdem geht es in Diskos lange nicht mehr ums Tanzen und sich unterhalten, sondern nur noch ums Saufen und auf das Handydisplay starren. Das ist ganz eindeutig nicht der richtige Ort für mich, also bleibe ich fortan fern von großen Partys.
So viel zu den ersten Tagen meines Urlaubes. Am Dienstag und am Mittwoch musste ich
wegen der Dehnstudie jeweils früh zum Institut fahren. Außerdem arbeitete ich am Mittwoch bis in die späte Nacht am Design des Posters, das wir im Team präsentieren sollen. Ausschlafen war also nicht. Gestern war ich bei meinen Eltern und bin heute wieder gekommen. Bis auf den heutigen Tag habe ich jeden Tag trainiert und fleißig Kata geübt. Soeben bin ich endlich mit der endgültigen und abgesprochenen Version des Posters fertig geworden, musste leider ein Treffen mit einem Kumpel absagen. Mir macht das keinen Spaß. Ich mag es nicht wenn Leute Treffen absagen und wenn ich es selber tue ist es für mich doppelt so bitter. Ist eine Ehrensache...
Morgen geht es dann raus, nach Frankfurt und am Sonntag trete ich als erster in unserem Team um 11 Uhr auf.
Übrigens habe ich auch am letzten Sonntag ein hartes vier Stunden Training, diesmal mit meinem Kumpel, durchgezogen. Hat noch mehr Spaß gemacht, weil ich nicht alleine war. Gegenseitig haben wir uns gepusht und korrigiert. Das wird wiederholt!